Porsche soll an die Börse: Die Milliardenpläne der Familien Porsche/Piech

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Porsche soll an die Börse: Die Milliardenpläne der Familien Porsche/Piech

Volkswagen will seine Tochter Porsche an die Börse bringen. Investmentbanker rechnen mit einer einer Bewertung des Sportwagenbauers von bis zu 120 Milliarden Euro. VW-Aktien schossen am Dienstag knapp 10 Prozent rauf.

Die Gerüchte gibt es seit langem, jetzt geht der Volkswagen-Konzern den Börsengang seiner Sportwagentochter Porsche tatsächlich an. Man befinde sich darüber in fortgeschrittenen Verhandlungen mit dem VW-Haupteigner Porsche SE, teilte der Wolfsburger Konzern am Dienstag mit. Es seien bereits Eckpunkte vereinbart worden, die die Basis für die weiteren Schritte zur Vorbereitung eines Börsengangs bilden sollen. Wobei eine endgültige Entscheidung noch nicht getroffen sei. 

Bis 25 Milliarden Euro Emissionsvolumen

Kommt der Porsche-Börsengang, wäre es einer der größten weltweit. Investmentbanker gehen von einer Bewertung der Porsche AG zwischen 60 und 80 Milliarden Euro aus. Einige rechnen sogar mit 100 Milliarden Euro - und mehr. Das Emissionsvolumen von 15 bis 25 Mrd. Euro, das sich daraus ergibt, würde Porsche in eine Liga mit Mega-Börsengängen wie Alibaba, Softbank oder der Bank of China bringen.

20 bis 30 Prozent von Porsche an der Börse

Dem Basisszenario zufolge soll ein Anteil von 20 bis 30 Prozent der Porsche AG Aktien an der Börse gelistet werden. Dabei soll es voraussichtlich – wie beim Volkswagen-Konzern – sowohl Stamm- als auch Vorzugsaktien geben. Die Eigentümerfamilie Porsche/Piech könnte mit ihrer Porsche Automobil Holding SE ein Vorkaufsrecht erhalten, schreibt das Handelsblatt. Über die doppelte Beteiligung an Porsche und Volkswagen würde sie im Ergebnis ihre Macht beim Sportwagenhersteller deutlich ausbauen. 

Familien wollen wieder direkten Zugriff auf Porsche 

Die Porsche SE bestätigte fortgeschrittene Gespräche und erklärte, die Transaktion könnte auch den Erwerb von Stammaktien der Porsche AG umfassen. Die Porsche SE  (nicht zu verwechseln mit dem Börsenkandidaten, dem Sportwagenbauer Porsche) ist jene Gesellschaft, in der die Familien Porsche und Piech ihre Anteile an VW gebündelt hat. Die Porsche/Piechs halten 53 Prozent der VW-Stimmrechte und 31,4 Prozent am VW-Kapital und sind damit die wesentlichen VW-Eigentümer.

Porsche/Piechs wurmt Übernahme-Niederlage

Für die Familien Porsche und Piech (im Foto: Wolfgang Porsche) könnte ein Porsche-Börsengang die Möglichkeit eröffnen, wieder Anteile an der Sportwagentochter zu erwerben und direkten Zugriff auf Porsche zu bekommen. Porsche gehört nach der verlorenen Übernahmeschlacht vor zehn Jahren zu 100 Prozent Volkswagen. Seitdem sind die Familien über die Porsche SE nur indirekt ab der VW-Tochter beteiligt. Und das wurmt die Porsche/Piechs dem Vernehmen nach nach wie vor sehr.

Insidern zufolge ist das Ziel der Eigner-Familien, 25 Prozent plus eine Aktie der Stimmrechte an Porsche zu halten.

Finanzierung über Sonderdividende

Nach dem möglichen Börsengang würde der bisherige Porsche-Anteil der VW-Hauptaktionäre - der Familie Porsche/Piech, dem Land Niedersachsen und der Staatsholding Katar - verwässert. Zu den vereinbarten Eckpunkten gehöre eine Garantie, dass es dafür einen gewissen Ausgleich gebe, heißt es im Handelsblatt unter Berufung auf Konzernkreise. VW dürfte im Zuge des Porsche-Börsengangs wohl eine Sonderdividende an die Aktionäre ausschütten. Ein großer Teil davon würde an die Porsche SE (also die Porsche/Piechs) ausgeschüttet - womit die Familie die Möglichkeit hätte, in großem Stil Anteile am Sportwagenbauer Porsche zu erwerben.

VW-Aktie legte 9,3 Prozent zu

An der Börse sorgten die Pläne am Dienstag für ein Kursfeuerwerk: Volkswagen-Aktien legten um satte 9,3 Prozent zu, die Aktien der Porsche-Holding gewannen 13,8Prozent.