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2G im Handel? Nein Danke!

Handelsverbands-Chef Rainer Will reicht es. Seit 15. November 2021 gilt im österreichischen Handel die 2G-Regelung.Das kostet die Handelsbetriebe bis zu 350 Millionen Euro Umsatz pro Woche.

Ein Viertel der Bevölkerung kann seither beispielsweise keine Winterjacken, Schuhe oder Bücher mehr im stationären Fachhandel einkaufen, darunter auch minderjährige Konsumenten. Und das, obwohl unzählige Studien und Gutachten bestätigen, dass der Handel kein Corona-Hotspot ist.  

In den heimischen Geschäften ist die Lage entsprechend angespannt, insbesondere, seit die Händler alle Kunden verpflichtend kontrollieren müssen. Die unmittelbaren Auswirkungen auf die Kundenfrequenz sind verheerend, die langfristigen Auswirkungen katastrophal, da viele ungeimpfte Konsumenten dem Handel die Schuld geben und nur mehr bei Amazon & Co kaufen.

Das gefährdet wiederum viele Jobs im österreichischen Handel. Derzeit verlieren die betroffenen Händler bis zu 350 Millionen Euro Umsatz pro Woche. Die wenigen Kunden, die noch in die Geschäfte kommen, sind zunehmend frustriert. Gleichzeitig steigt das Aggressionspotential jener, die wir nicht reinlassen dürfen. Beschimpfungen und Beleidigungen stehen mittlerweile an der Tagesordnung.

Mitarbeiter können nicht mehr "Polizei spielen"

Unsere Mitarbeiter bräuchten derzeit 4 Hände, 6 Augen und eine dicke Haut. Neben den vielen Tätigkeiten im Verkauf müssen sie "Polizei spielen", ohne Sanktionsmöglichkeiten zu haben. Bei bis zu 3 Millionen Kunden täglich und oft mehreren Eingängen im Geschäft ist der Aufwand mit kaum einer anderen Branche vergleichbar. Leider kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen mit aggressiven Kunden, die sich der 2G-Regelung widersetzen. Wir rufen hier zur Deeskalation und Beruhigung auf, diese Emotionen haben nichts in den Geschäften verloren. Wenn sich ein Händler nicht an die Vorgaben der Bundesregierung halten würde, müsste er horrende Strafen zahlen, das vergessen manche radikalen Maßnahmengegner.

Viele Ungeimpfte sind frustriert, weil sie de facto vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen wurden. Der Frust ist verständlich, es gibt aber eine Grenze der Toleranz. Wenn das Personal in den Geschäften bedroht oder Schaufenster mit politischen Parolen beschmiert werden, dann ist diese Grenze erreicht. Besonders ärgerlich sind die zahlreichen Verletzungen von Persönlichkeitsrechten unserer Mitarbeiter. Aufklärungsgespräche werden heimlich mit dem Handy mitgefilmt und auf Internet-Plattformen wie YouTube, TikTok, Facebook oder Telegram geteilt, obwohl die Beschäftigten natürlich nur den gesetzlichen Verpflichtungen nachkommen. Die Handelsangestellten wollen keine Türsteher sein, sie machen einfach ihren Job und haben sich ein solches Vorgehen nicht verdient.

Wirtschaft kämpft mit Personalengpässen

Erschwerend kommen die Personalengpässe in der heimischen Wirtschaft hinzu. Rund eine halbe Million Österreicher sind aktuell aufgrund der Omikron-Welle in Quarantäne. Vielen Unternehmen gehen langsam die Mitarbeiter aus. Gerade kleine Betriebe haben oft nicht die Möglichkeit einer flexiblen Personalplanung, viele stehen jetzt mit dem Rücken zur Wand. Die Möglichkeit, sich nach fünf Tagen freizutesten, hilft zwar. Aber gerade bei dezentralen, filialisierten Unternehmen wird es immer schwieriger, täglich alle Standorte offen halten zu können. GECKO und das Gesundheitsministerium sind daher gefordert, bei den Isolations- und Quarantänebestimmungen von Verdachtspersonen im Sinne der Aufrechterhaltung des Wirtschaftsbetriebes nachzubessern, sofern dies virologisch vertretbar ist.

Ende von 2G im Handel ab 12. Februar überfällig

2G im Handel ist schon lange nicht mehr nachvollziehbar, diese Regel ist weder virologisch noch wirtschaftlich zu rechtfertigen. Das 2G-Regime spaltet die Bevölkerung, verstärkt das soziale und psychische Leid besonders der Minderjährigen, kostet Arbeitsplätze und überfordert in der Umsetzung die Mitarbeiter. Während man sich im Handel nur kurz aufhält und immer eine FFP2-Maske trägt, schreit man in den Bars gegen laute Musik an, trinkt Alkohol und nimmt die Maske ab. Das passt alles nicht mehr zusammen.

Der Lebensmittelhandel beweist jeden Tag, dass sicheres Einkaufen für alle Menschen aufgrund des losen Kundenkontaktes, der Maskenpflicht und der bestehenden Hygienevorgaben garantiert ist. Wir wollen nicht länger instrumentalisiert werden, um die Impfquote zu erhöhen. Dafür gibt es jetzt ohnehin die Impfpflicht, ob sie uns gefällt oder nicht.

Mittlerweile hat auch die Politik zur Kenntnis genommen, dass Kontakt nicht gleich Kontakt ist, und Infektionen dort bekämpft werden müssen, wo sie wirklich entstehen. Am Samstag hat die Bundesregierung das Ende der 2G-Regel im heimischen Non-Food-Handel mit 12. Februar verkündet. Die Kräfte der Vernunft haben sich durchgesetzt. In einer Woche endet eines der unsäglichsten Kapitel der österreichischen Handelsgeschichte – das 2G-Regime im Non-Food-Handel. Bis zuletzt hatte der Handelsverband mit den Spitzen der Bundesregierung und den Landeshauptleuten Gespräche geführt, um diese diskriminierende, verfassungsrechtlich fragwürdige Maßnahme aufzuheben. Dieser längst überfällige Schritt hat nicht nur bei den Betrieben, sondern auch bei den Beschäftigten für Erleichterung gesorgt.

Der 12. Februar wird der "Tag des Handels", weil wir endlich wieder für alle Menschen im Land da sein dürfen. Damit enden auch die verpflichtenden 2G-Kontrollen in den Geschäften – und das muss auch so bleiben. So wird der Spaltung der Gesellschaft zumindest ein Stück weit entgegengewirkt. Unsere Branche bekommt wieder Planungssicherheit und wird weiterhin alle Hygiene- und Sicherheitsvorgaben penibel einhalten. Ein Win-Win, da Existenzen und Jobs gesichert und wieder mehr Steuern für den Sozialstaat eingenommen werden.

Europa hebt Corona-Restriktionen sukzessive auf

Während Wien also noch über eine Beibehaltung der strengen Corona-Regeln diskutiert, heben viele andere Länder ihre Restriktionen sukzessive auf. In Dänemark endete bereits am 1. Februar das Pandemie-Regime, sowohl die Maskenpflicht als auch Impfnachweise gehören dort nicht länger zum Alltag. Großbritannien setzt ebenfalls auf breitflächige Öffnungen und hat zuletzt sogar die geplante Impfpflicht für medizinisches Personal zurückgezogen. Südafrika wiederum hat angesichts der mittlerweile abgeebbten vierten Infektionswelle die meisten seiner Corona-Maßnahmen aufgehoben. Selbst im Corona-Musterland Finnland sollen im Laufe des Februars alle Corona-Beschränkungen aufgehoben werden. Auch Deutschland ist uns einen Schritt voraus. Dort wurde die 2G-Regel im Handel in Bayern, Niedersachsen, dem Saarland und Baden-Württemberg bereits von den Gerichten gekippt. Daher mein Motto: 2G im Handel? Nein danke!