Run auf Gold: Nachfrage nach Münzen und Barren hat sich vervierfacht

Gold

Run auf Gold: Nachfrage nach Münzen und Barren hat sich vervierfacht

Ukraine-Krieg und fast sechs Prozent Inflation: Die Menschen fürchten um ihr Geld und kaufen vermehrt Gold. Der Preis kratzt am Rekord vom Sommer 2020, hat seit Ende 2021 zwölf Prozent zugelegt.

Die hohe Nachfrage nach Goldmünzen und -barren übersteigt bei den heimischen Edelmetallhändlern derzeit teils sogar das Angebot.

Bei der Münze Österreich ist der Umsatz in den letzten zwei Wochen in die Höhe geschnellt. „Seit dem Einmarsch Russlands in der Ukraine haben wir einen Umsatz von etwa 500 Millionen Euro allein mit den Großhändlern, also Banken und Händlern, verzeichnet“, sagte Münze-Österreich-Sprecherin Andrea Lang gegenüber Radio Wien. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres belief sich der Umsatz auf rund 200 Millionen Euro. 

Alles, was produziert wird, ist gleich verkauft

„Wir produzieren kontinuierlich und liefern kontinuierlich, aber die Nachfrage wäre noch höher“, sagte Lang: „Es ist immer noch wie beim Bäcker: Was wir produzieren, verkaufen wir am nächsten Tag.“ 

Im Shop der Münze Österreich am Wiener Heumarkt kauften Privatpersonen allein am Tag des Kriegsausbruchs Philharmonikermünzen & Co. für eine Million Euro. Im Online-Shop belief sich der Umsatz an diesem Tag auf drei Millionen Euro.

Verkäufe seit Kriegsbeginn vervielfacht

Beim heimischen Gold- und Edelmetallhändler philoro läuft das Geschäft derzeit ebenfalls auf Rekordniveau. Seit Kriegsbeginn habe sich die Nachfrage in den Filialen vervierfacht, online wurde sogar sechsmal mehr verkauft.

Auch bei der Ögussa ist der Kundenansturm derzeit enorm. "„Die Nachfrage nach unseren Ögussa-Golbarren hat sich seit Kriegsbeginn mehr als verdreifacht, und wir gehen auch weiterhin von einer sehr stark steigenden Nachfrage aus“, sagte Marketing- und Vertriebsleiter Reinhard Walz. Am meisten würden 100- und 250-Gramm-Barren gekauft.

Deutlich über 2.000 Dollar je Feinunze

Der Goldpreis steigt angesichts der unsicheren politischen Situation und der hohen Inflation rasant. Am Dienstagabend kostete eine Feinunze Gold (31,1 Gramm) in der Spitze Spitze mit 2.070 Dollar nur um 5 Dollar weniger als zum bisherigen Allzeithoch vom August 2020.

Am Montag fiel der Preis etwas zurück, blieb aber deutlich über der Marke von 2.000 Dollar. Schon vor dem Kriegsausbruch hatte der Goldpreis zugelegt. Seit Beginn der Invasion Russlands in die Ukraine beschleunigte sich der Anstieg. Seit Ende 2021 beläuft sich das Plus auf knapp zwölf Prozent; dabei gehen sieben Prozentpunkte auf den Anstieg seit der Invasion Russlands zurück. Philoro-Gründer Rudolf Brenner (Foto oben) sieht Gold jedenfalls als "langfristiges Investment".

Der Krieg schürt die Angst vor einer noch stärker steigenden Inflation. Russland ist ein wichtiger Lieferant von Erdöl, Erdgas und anderen Rohstoffen. Sanktionen des Westens oder Ausfuhrbeschränkungen von Russland könnten die Preise noch weiter nach oben treiben. 

Neuer Rekord in Euro: 1.902 Euro je Feinunze Gold

Da der Eurokurs wegen des Kriegs in der Ukraine zurückging, hatte der Goldpreis gemessen in der Gemeinschaftswährung am Dienstag ein Rekordhoch von 1.902 Euro erreicht.